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Kolumne: Am Valentinstag kam der Tod in meinen Kopf

 

Er hat sich angeschlichen. Erst in meinem Traum, dann morgens vor dem Spiegel. Aus heiterem Himmel war er da und hat mich nicht mehr losgelassen. Er war in meinen Gedanken und verwurzelte sich dort, lies nicht zu, dass ich ihn schnell wieder gehen lies. Der Tod kam am Valentinstag in meinen Kopf und hat mich den ganzen Morgen beschäftigt. 

Der Tag der Liebenden. Eine von der Blumenindustrie erfundene Feier- und Umsatzmöglichkeit, ist für mich nur ein Grund zum Feiern gewesen, weil ich damals mit meinem ersten Freund an diesem besagten Datum zusammen kam. Das hatte aber nichts mit Valentin zu tun, mein Freund hieß Nico. Wir wären vielleicht auch bereits am 13. Februar zusammen gekommen, wenn es das Schicksal damals eilig gehabt hätte. Doch es hatte Zeit. 

 

Meine Meinung zum Valentinstag
Meine Meinung zum Valentinstag

Der 14 Februar ist heute für mich nur ein Datum, eine leere 24-Stunden-Hülse im Februar, die gefüllt werden kann, mit was auch immer. Es muss nicht zwingend Liebe sein. In diesem Jahr passend auf den Aschermittwoch fallend, den Tag, der dem lustigen, besoffenen Faschingstreiben den Garaus macht und für die Menschen der Startschuss ist zur Fastenzeit, zu einer Zeit ohne lastergeschwängerte Genüsse wie Rauchen, Trinken, Schokolade, Sex. In der digitalen Welt gehören wohl auch Facebook, Instagram und die Benutzung des Smartphones dazu. Weglegen, weglassen, verzichten, aufhören, ruhen lassen, still sein - alles Bezeichnungen der Zeit, die jetzt bis zum Ostersonntag auf uns wartet. 

Was das alles mit dem Tod zu tun hat? Ich weiß es nicht. Vielleicht soll er mich daran erinnern, dass das Leben endlich ist. Doch warum gerade heute, am vermeintlichen Tag der Liebe? Will er mich auslachen und mit dem Finger auf mich zeigen, weil ich gerade nicht verliebt bin? Will er mir klar machen, dass ich alleine sterben werde, wenn ich so weiter mache und mein Leben als Single weiterhin genieße? Ist nur ein Leben in einer Partnerschaft ein erfüllendes und glückliches? Meint das Auftauchen des Todes vielleicht das damit?

Meine Lektüre vom Wochenende: Vogue, die Zeit, das ZeitMagazin und Susanne Kaloffs Buch "Nüchtern betrachtet wars betrunken gar nicht mal so berauschend"
Meine Lektüre vom Wochenende: Vogue, die Zeit, das ZeitMagazin und Susanne Kaloffs Buch "Nüchtern betrachtet wars betrunken gar nicht mal so berauschend"

Oder ist er nur die Nachdrehe zum Appell des Buches "Nüchtern betrachtet ist das Leben gar nicht so berauschend", das meine von mir sehr geschätzte Kollegin Susanne Kaloff kürzlich auf den Markt brachte, und in dem es um ein Leben ohne Alkohol geht. Völlige Abstinenz von Wodka, Gin und Champagner. Die Lehre daraus ist, dass Nicht-Trinken einsam macht. Dass man, während alle um einen herum betrunkener, lockerer und lustiger werden, die gleiche Person bleibt, die man noch beim ersten Glas war. Die Person, die sich die Gäste, die Musik und die Stimmung leider nicht schön zaubern kann, weil Ethylakohol auf den Blutbahnen tanzt wie das Emoji mit dem roten Kleid. Schon klar, keinen Alkohol zu trinken bedeutet jetzt nicht gleich den Tod, auch ab und zu an einem Glas Sekt oder einer Flasche Bier zu nippen ebensowenig. Doch das Buch und seine Message hat mich beschäftigt und mich nachdenken lassen darüber, was will ich eigentlich im Leben? Was ist ein erfüllendes Leben, wenn der Tod wirklich anklopft? Keiner weiß, wann das sein wird. Will ich dann sagen können "Ich hatte so viele geniale besoffene Nächte" oder doch lieber "ich hab so viel tolle Zeit mit mir und meinen Gedanken verbracht, die keine Betäubung nötig hatten".

Was macht mich glücklich? Also so richtig glücklich? Ist es eine Partnerschaft? Ist es ein toller Job? Ist es das Reisen? Sind es meine Familie und meine Freunde? Ist es das Alleinsein?

 

Alles davon kann glücklich machen. Nichts davon todunglücklich. Und von allem ein bisschen ist wohl genau die richtige Mischung, die ich fürs Leben brauche. 


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